NVA - Interessengemeinschaft Halle/Saale
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© NVA-Interessengemeinschaft Halle/Saale „Hermann Vogt“
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Russland - Klargestellt! Beiträge zur aktuelle Situation im wiederauflebenden Ost-West Konflikt „Der russische Bär in der Weltgeschichte“ Teil 1    Teil 2 recherchiert von Thomas Engelhardt, Major der NVA
Die Mär vom russischen Bären als Symbol des übermächtigen Bösewichtes scheint in der Auseinandersetzung mit Russland allgegenwärtig zu sein. Interessanterweise gibt es bei der russischen Bevölkerung viel weniger Assoziationen des Bären als Nationalsymbol als es in westlichen Ländern der Fall ist. Es ist ein jedem bekanntes nationales Symbol. Immerhin, die Regierungspartei „Einiges Russland“ identifiziert das Land mit einem Bären, und trägt ihn als Maskottchen auf ihrem Logo. Und dennoch, trotzt seiner Prominenz in Russland, stammt es nicht aus Russland! Ja, diese Metapher ist eine Erfindung des Westens selbst und hat wenig mit der historischen Selbstidentifikation der Russen zu tun.
Wie kam es dazu? Aufgetaucht ist diese Methapher bereits im 16. Jahrhundert und dem Entstehen erster Landkarten, rein optisch lies sich Russland mit einem Bären vergeichen. Dabei bleibt es bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, wo es als Assoziation Einzug in
Karikaturen, Reiseberichte und andere Darstellungen über Russland findet. In den beiden darauffolgenden Jahrhunderten wird dieser Bär als Synonym für Russland endgültig in der westlichen Kultur etablieren. Und nicht nut das, er findet Niederschlag in Werken vieler der bekanntesten westlichen Schriftsteller, Künstler, Bildhauer und Journalisten seiner Zeit. Spätestens mit der Entwicklung der Massenmedien im 20. Jahrhundert wird die Bärenmetapher endgültig Bevölkerung im Westen Symbol Russlands. Und von hier kehrt das Symbol nach Russland zurück und wird auch in der hiesigen Presse zunehmend als Nationalsymbol genutzt. Es wird Bestandteil des russischen Selbstverständnisses, beispielsweise während der russischen Revolution 1905. Und bis heute hat sich daran
nichts mehr geändert. Die Bärenmetapher und ihre Symbolik lässt sich besser zu verstehen, wenn man die historische Einordnung des Bildes von Bären mit der heutigen vergleicht. Bären ihatten m westlichen Europa eine sehr negative Bewertung Also, ein Vergleich Russlands mit einem Bären assoziiert ein „großes, starken und potentiell gefährlichen Landes“. Es steht für vermeintlich typisch russische Charakterzüge wie Rückständigkeit, Barbarei, Faulheit, Unberechenbarkeit und das Unvermögen sich weiter zuentwickeln. Es steht für die Aggressivität als ein Charakteristikum Russlands. Aber die Bärenmethapher assoziert bis heute auch ein westliches Selstbild. Sie waren geprägt von einem Glauben an die eigene zivilisatorische Überlegenheit, aber auch von Angst und Respekt angesichts der Größe und Macht des Bären, von Vorsicht davor, ein wildes Raubtier zu wecken, und dem Bedürfnis, dieses Raubtier zu zähmen oder gar es in Ketten zu legen, geprägt. Das hat sich bis heute gehalten und verschärft Während der Westen den „Bären“ also alszunehmend gefährliches und agressives Wesen ausmacht, identifiziert sich Russland mit der Größe, Stärke und Wehrhaftigkeit, aber auch mit seiner Güte und Treue. Am deutlichsten wird es, seitdem der Bär „Mischa“ für die Olympischen Spiele 1980 in Moskau als Maskottchen ausgewählt wurde und als erstes olympisches Maskottchen weltweit große Beliebtheit erlangte. Nun wurde auch in der breiten russischen Bevölkerung das Symbol des Bären zu einem identitätsstiftenden Nationalsymbol.