© NVA-Interessengemeinschaft Halle/Saale
NVA - Interessengemeinschaft Halle/Saale
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Robert Uhrig
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Erinnerungen an die Namensgebung - persönlich erlebt Von Oberstleutnant a.D. Dipl.Phil. Siegfried Kunze
Unsere Division
Um den 20.Januar 1970, befahl der K-MSR 16, Oberstleutnant Karl Grumpelt, (das Regiment befand sich noch im Standort Leipzig), die Offiziere, die sich gerade im Stabsgebäude befanden,, zu einer Beratung in die Stabsklasse . Nach der Meldung sagte er etwa folgende Worte: “Ich erhielt heute vom Minister für Nationale Verteidigung ein Fernschreiben. Damit teilt er uns mit, dass unser Regiment am 01.März, dem Tag der NVA, den Namen des antifaschistischen Widerstands-kämpfers Robert Uhrig verliehen bekommt“. Pause. Danach: “Wer kennt Robert Uhrig, wer hat etwas ihm gehört ? - Wir haben zur Vorbereitung der Namensgebung nur 5 Wochen Zeit” Keine Antwort. Äußerste Stille. Zaghaft hob ich den rechten Arm. Nach Aufforderung sagte ich etwa, .im” Neuen Deutschland” werden an Geburts- und Todestagen, Leben und Wirken der antifaschistischen Widerstands-kämpfer veröffentlicht. Ich habe alle Artikel ausgeschnitten und bewahre diese in einer Mappe auf. Da könnte auch Robert Uhrig dabei sein. Er forderte mich auf, diese Mappe zu holen und stellte mir dazu seinen Dienstwagen zur Verfügung. Als ich nach 35 Minuten zurückkam, rief mir der OvD zu, “Du sollst sofort in sein Dienstzimmer kommen”. Nach Anklopfen und “Herein“, betrat ich das Zimmer und übergab den sechs oder sieben anwesenden Offizieren, drei Artikel über Robert Uhrig, die von zwei Autoren verfasst waren. Während diese gelesen wurden, war es sehr still im Raum. Die Artikel wurden dann ausgetauscht bzw. weiter gegeben. Danach sagte ich: Genosse Oberstleutnant, darf ich einen Vorschlag
machen?” Er gab mir das Wort und ich sagte etwa, “wir müssten sofort Verbindung mit dem Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer in Berlin und mit der Autorin Luise Kraushaar, aufnehmen, und nachfragen, ob es Nachkommen oder Verwandte von Robert Uhrig gibt. Ich würde diese dann aufsuchen, ein kleines Tonbandgerät mitnehmen, um ein Gespräch über Leben und Wirken von Robert Uhrig aufzu- nehmen. Dieses Interview könnte nach Vervielfältigung, bis zur Namensverleihung dann allen Angehörigen des Regiments vorgespielt werden“. Diese Vorschläge wurden sofort akzeptiert. Aber Berlin war an diesem Tag telefonisch nicht zu erreichen. Aber das Ganze liess mir keine Ruhe. Ich rief am Abend von zu Hause, noch einmal das Komitee der Antifaschistischen Widerstands-kämpfer in Berlin an und bekam von diesen Genossen die Telefonnummer der Genossin Luise Kraushaar und die der Genossin Charlotte Uhrig, der Ehefrau von Robert Uhrig. Danach rief ich die Genn. Uhrig an, stellte mich vor und erläuterte ihr die Aufgabe, die wir erhalten hatten. Wir vereinbarten ein Treffen in ihrer Wohnung in zwei Tagen. Am nächsten Tag berichtete ich der Führung des Regiments über das Gespräch mit Genn. Charlotte Uhrig. Danach sprach ich mit unserem Filmvorführer, Gen. Rossenke. Er war begeistert von dem Vorhaben und bereitete zwei kleine Tonbandgeräte, ein Mikrophon, Batterien u. a. vor. An diesem
Tag besorgte ich mir den Dienstauftrag und die beiden Fahrkarten. Am 25. Januar, gegen 05.45 Uhr fuhren wir von Leipzig nach Berlin. Wir wurden von Charlotte Uhrig herzlich begrüßt. Von der modern
eingerichteten Wohnung, in der sechsten Etage des Hochhauses, Leninplatz 37, hatte man einen schönen Blick auf das Zentrum der DDR Hauptstadt. Während unseres Gespräches stellte sie eine Kanne Kaffee und eine Schale mit Keksen auf den Tisch. Charlotte Uhrig war sehr erfreut, als wir ihr unser Anliegen vortrugen. Sie sprach über den Lebensweg Robert Uhrigs und über den illegalen Kampf dieser großen Berliner antifaschistischen Widerstandsgruppe, die viele Verbindungen in andere Städte des deutschen Reiches unterhielt. Dabei sprach sie auch über die große Verhaftungswelle, die für die Uhrig-Gruppe, das Aus und für viele Genossen die Todesstrafe nach sich zog. Wenigen Genossen gelang es, ihr und auch der Genossin Kraushaar, sich zu verbergen und später anderen Gruppen anzuschließen. weiter …..